Mentale Gesundheit im Mittelstand: Wie Unternehmen nachhaltig profitieren

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Zunehmende psychische Belastungen setzen mittelständische Unternehmen unter Druck – nicht nur aus Sicht der Mitarbeitenden, sondern auch wirtschaftlich. Laut einer Studie fühlt sich jedes zweite Unternehmen betroffen, doch oft fehlt es an strukturierten Maßnahmen. Dabei könnten gerade kleinere Unternehmen durch ihre flexiblen Strukturen schnell wirksame Lösungen umsetzen. Nils Schilling, Geschäftsführer ias mental health, erläutert, welche Rolle die mentale Gesundheit im Mittelstand spielt und welche Schritte Unternehmen jetzt gehen sollten, um ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement zu etablieren.

Unsere Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Digitalisierung, wirtschaftliche Unsicherheiten und geopolitische Krisen erzeugen eine Dynamik, die für viele Menschen zur Belastung wird. Die mentale Gesundheit von Mitarbeitenden ist mehr denn je ein entscheidender Faktor für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Besonders im Mittelstand zeigt sich Handlungsbedarf: Laut der aktuellen Studie „Mentale Gesundheit im Mittelstand“ der ias Stiftung berichtet die Hälfte der befragten Führungskräfte von einer Zunahme psychischer Belastungen in ihren Teams. Dennoch fehlt es vielerorts an strukturierten Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Während in Großunternehmen spezialisierte Gesundheitsabteilungen längst etabliert sind, fehlt es mittelständischen Betrieben häufig an Ressourcen und klaren Strategien. Gleichzeitig sind die Auswirkungen hier oft unmittelbarer spürbar: Wenn Mitarbeitende ausfallen oder mental nicht mehr leistungsfähig sind, gerät das gesamte Unternehmen unter Druck. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte und HR-Verantwortliche mentale Gesundheit als unternehmerische Verantwortung begreifen und aktiv fördern.

Von der Haltung zur Handlung – warum Unternehmen jetzt umdenken müssen

Mentale Gesundheit im Mittelstand: Wie Unternehmen nachhaltig profitieren
Envato/LightFieldStudios

In vielen Unternehmen gilt psychische Gesundheit als rein private Angelegenheit – ein Trugschluss, der Unternehmen teuer zu stehen kommt. Stress und Überlastung führen nicht nur zu steigenden Fehlzeiten, sondern auch zu Produktivitätsverlusten, Innovationshemmnissen und einer höheren Fluktuation. Dennoch bleibt das Thema in vielen Betrieben tabuisiert. Eine offene Unternehmenskultur, die mentale Gesundheit entstigmatisiert und aktiv fördert, bringt jedoch klare Vorteile: Sie stärkt die Mitarbeitendenbindung, steigert die Leistungsfähigkeit und erhöht die Attraktivität als Arbeitgeber. Ein nachhaltiges Engagement für mentale Gesundheit ist daher auch eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

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Ein zentraler Hebel für Veränderung ist das Bewusstsein der Führungskräfte. Wer als Vorbild agiert, offen über mentale Gesundheit spricht und seinen Mitarbeitenden Unterstützung bietet, schafft ein Umfeld, in dem Belastungen frühzeitig erkannt und bewältigt werden können. Führungskräfte haben zudem eine Navigator-Rolle: Sie sollten wissen, welche Unterstützungsangebote existieren, um ihre Mitarbeitenden gezielt darauf hinzuweisen.

Von der Idee zur Umsetzung – welche Lösungen wirklich helfen

Foto Menschen im Büro
Envato/davidpereiras

Trotz wachsender Sensibilität für das Thema bleibt die Umsetzung von Maßnahmen in vielen Betrieben hinter den Möglichkeiten zurück. Die ias-Studie zur mentalen Gesundheit im Mittelstand zeigt: Lediglich ein Drittel der befragten Unternehmen setzt gezielt Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit um, ein weiteres Drittel plant derzeit deren Einführung. Dennoch bleiben viele Potenziale ungenutzt.

Bereits weit verbreitet sind flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten (59,1 Prozent), betriebliches Eingliederungsmanagement (47,5 Prozent) und Schulungen für Führungskräfte zur psychischen Gesundheit (36,3 Prozent).

Doch gerade besonders wirksame Maßnahmen wie Apps zur psychischen Gesundheit (17,8 Prozent), Employee Assistance Programs (EAP) (18,8 Prozent) oder Online-Plattformen zur psychischen Gesundheit (19,8 Prozent) werden bislang kaum eingesetzt. Dabei sind niedrigschwellige kombinierte digitale und persönliche Lösungen essenziell, um Mitarbeitenden schnelle und anonyme Unterstützung zu bieten.

Maßnahmen richtig implementieren – ein Leitfaden für Unternehmen

Wie lässt sich ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement erfolgreich etablieren? Eine strukturierte Herangehensweise ist entscheidend. Die folgende Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigt, wie Unternehmen das Thema mentale Gesundheit im Mittelstand gezielt angehen können:

1. Bedarfsanalyse und Sensibilisierung

Bevor Maßnahmen eingeführt werden, sollten Unternehmen eine gezielte Bedarfsanalyse durchführen. Die psychische Gefährdungsbeurteilung (GB Psych) bietet eine wertvolle Grundlage, um Stressfaktoren zu identifizieren und passende Lösungen abzuleiten. Darüber hinaus kann sie als strategisches Steuerungsinstrument genutzt werden, um Führungskultur, Arbeitsabläufe und betriebliche Strukturen gezielt weiterzuentwickeln und nachhaltige Verbesserungen in der Organisationsentwicklung zu verankern.

2. Einführung gezielter Unterstützungsangebote

Der nächste Schritt ist die Implementierung konkreter Maßnahmen. Besonders wirksam sind hybride Modelle, die digitale Selbsthilfe-Tools mit persönlicher Beratung kombinieren. Eine Expertenhotline oder ein Employee Assistance Program (EAP) bietet Mitarbeitenden eine niedrigschwellige und vertrauliche Anlaufstelle – insbesondere in Zeiten hoher Belastung. Entscheidend ist, dass Unternehmen unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen: Während einige Mitarbeitende digitale Lösungen bevorzugen, legen andere Wert auf direkte Face-to-Face-Beratung. Ein flexibles Angebot, das beide Formate integriert, erhöht die Akzeptanz und Wirksamkeit.

3. Nachhaltige Verankerung und Führungskräfteschulung

Foto Teamwork
Envato/Pressmaster

Führungskräfte sind Multiplikatoren für eine gesunde Unternehmenskultur. Regelmäßige Schulungen helfen ihnen, Anzeichen von Belastung frühzeitig zu erkennen und Mitarbeitende gezielt zu unterstützen. Unternehmen sollten zudem sicherstellen, dass Gesundheitsangebote kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt werden.

Wie eine ganzheitliche Mitarbeitendenberatung mit hybriden Lösungen in der Praxis Mehrwert schafft zeigt die Hellmann Worldwide Logistics Germany GmbH & Co. KG. In Zusammenarbeit mit der ias-Gruppe hat das Unternehmen ein ganzheitliches EAP-Konzept etabliert, das digitale und persönliche Angebote kombiniert. „Durch flexible, digitale Angebote können wir trotz räumlicher Distanz immer nah an unseren Mitarbeitenden bleiben“, erklärt Adam Pietzka, Betrieblicher Gesundheitsmanager bei Hellmann.

Als präventiv tätige Anlaufstelle, mit niedrigschwelligem Zugang, bietet die Beratung Mitarbeitenden die Möglichkeit, die eigenen Ressourcen und Resilienzfaktoren zu stärken und frühzeitig um Unterstützung zu bitten. Eine digitale Plattform bietet rund um die Uhr Zugang zu Beratung und Selbsthilfe-Tools, während persönliche Gespräche ergänzend zur Verfügung stehen.

Diese Kombination senkt Hemmschwellen, erhöht die Akzeptanz und stärkt die Resilienz der Belegschaft. „Durch die Kombination verschiedener Formate erreichen wir mehr Mitarbeitende und können so die Selbstwirksamkeit und Gesundheitskompetenz unserer Beschäftigten stärken und dabei auch individuell auf ihre Bedürfnisse eingehen“, so Pietzka.

Mentale Gesundheit im Mittelstand – ein neues Mindset für Unternehmen

Mentale Gesundheit sollte nicht als „Nice-to-have“, sondern als essenzieller Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmens betrachtet werden. Wer hier investiert, steigert nicht nur das Wohlbefinden der Mitarbeitenden, sondern auch deren Leistungsfähigkeit und Innovationskraft. Mittelständische Unternehmen haben die Chance, durch agile Strukturen schnell wirksame Maßnahmen zu etablieren – und damit nicht nur dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sondern sich langfristig als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Zudem zeigt die Erfahrung, dass Unternehmen mit einer ausgeprägten Vertrauenskultur erfolgreicher bei der Umsetzung von Mental-Health-Maßnahmen sind. Wenn Mitarbeitende sich ohne Stigma Unterstützung holen können und Unternehmen aktiv in Prävention investieren, entsteht eine nachhaltige Gesundheitskultur.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu handeln. Unternehmen, die das Thema strategisch angehen, werden nicht nur wirtschaftlich profitieren, sondern auch eine resiliente, gesunde Arbeitswelt der Zukunft mitgestalten.

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Foto Nils Schilling

Nils Schilling ist Geschäftsführer der ias mental health GmbH. Als Experte für betriebliche Gesundheitsförderung setzt er sich dafür ein, mentale Gesundheit in Unternehmen strategisch zu verankern und praxisnahe Lösungen für eine nachhaltige Prävention zu entwickeln. Foto: Elfriede Liebenow

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